Tesla-Werk: Weniger Verkehrschaoshysterie, mehr innovative Verkehrskonzepte und Radwege

 

Momentan geistert mal wieder das `drohende Verkehrschaos` und die angebliche Notwendigkeit einer Umgehungsstraße um Erkner durch die (sozialen) Medien. Dabei sollten wir bei den Fakten bleiben. Dann wird schnell deutlich, dass die Lage längst nicht so schlimm ist, wie von manchen Politikern und Medien herbeigeredet.

Zuerst sollten wir die Frage klären, was das Ziel einer nachhaltigen Verkehrspolitik in unserer Region sein sollte. Die Antwort auf diese Frage ist einfach. Ziel muss es sein, möglichst viel Verkehr per ÖPNV und Fahrrad abzuwickeln und Autoverkehr zu reduzieren.

Tesla unterstützt ÖPNV und Radwege

Auch Tesla selbst unterstützt diesen Ansatz: der amerikanische Autohersteller möchte so viel wie möglich Angestellte mit ÖPNV oder per Fahrrad anreisen lassen. Dazu führt Tesla unterschiedliche Maßnahmen durch. So wird allen Mitarbeitenden ein Jobticket angeboten. Verwaltungsleuten wird Heimarbeit möglich gemacht. Um die Anreise per Bahn attraktiver zu machen, wird der Bahnhof Fangschleuse verlegt, die Regio-Taktung von 30 auf 20 Minuten hochgeschraubt, werden pro Stunde drei statt nur einen Zug in Fangschleuse halten, wird der P&R am Bahnhof Fangschleuse vergrößert, gibt es einen Ausbau des Busnetzes in der Region und werden Radwege zum Werk gebaut.

Von Friedrichshain, Schöneberg und Köpenick ist der schnellste und kostengünstigste Weg zum Tesla-Werk die Bahn. Von Frankfurt und Fürstenwalde auch. Von Erkner und Grünheide wird der schnellste und kostengünstigste Weg zu Tesla das Rad sein. Da ein Großteil der Mitarbeitenden aus diesen Städten kommen wird, ist es realistisch, zu erwarten, dass ungefähr 60% mit ÖPNV oder Rad zur Arbeit pendeln werden.

Es gibt noch weitere Maßnahmen und Ideen, den Autoverkehr zu reduzieren bzw. besser zu verteilen. So hat Tesla den Schichtbeginn auf eine Stunde verteilt, damit nicht alle Leute gleichzeitig anfangen zu arbeiten. Außerdem bekommt das Werk eine zweite Autobahnabfahrt. Darüber hinaus könnte Tesla durch Förderung von Fahrgemeinschaften den Autoverkehr reduzieren.

Die gesamte Region profitiert

Die genannten Maßnahmen klingen vielleicht etwas unspektakulär im Vergleich zum Neubau einer Umgehungsstraße, sind aber sehr wirksam. Vor allem profitiert von ihnen die gesamte Region und nicht nur Tesla. Dies wird vor allem bei der Erhöhung des Regio-Taktes und dem Ausbau des Busnetzes deutlich. Durch den Bau des Radweges wird es mittelfristig einen Radschnellweg quer durch Erkner geben, der den Radverkehr für Schüler*innen, Berufspendler*innen und alle Menschen erheblich attraktiver macht. Der Ausbau des P&R am Bahnhof Fangschleuse reduziert die Last am P&R in Erkner und damit auch den Autoverkehr in der Stadt. Und hoffentlich wird es in naher Zukunft auch eine App geben, die mehr Fahrgemeinschaften ermöglicht.

Um den zu erwartenden Werksverkehr der Angestellten ein wenig zu konkretisieren, hier einige Zahlen zum Tesla-Werk:

  • In der Spitze sollen 12.000 Menschen dort arbeiten
  • üblicherweise haben Unternehmen 15% Urlaub/Krankheit – bleiben 10.200 pro Woche die dort arbeiten
  • In der Verwaltung werden 50% von zuhause arbeiten – bleiben ca. 9.500 pro Woche
  • Deren 5 Tage-Woche wird auf 6 Arbeitstage verteilt – bleiben ca. 8.000 pro Tag
  • 60% fahren mit dem Umweltverbund – bleiben 3.200 Autofahrten pro Tag
  • wenn es gelingt ein Drittel (siehe flinc bei Mercedes ) Fahrgemeinschaften zu haben – bleiben ca. 2000 Autofahrten pro Tag
  • die verteilen sich auf 4 Schichten – das sind 500 Fahrten pro Schicht
  • Die Herkunft verteilt sich auf die Autobahn mit 2 Abfahrten aus 2 Richtungen und die L38 also 5 Verkehrspunkte – macht 100 Fahrten pro Verkehrspunkt und Schicht.
  • Die verteilen sich wiederum auf eine Stunde, d.h. wir reden von ungefähr 2 Autos pro Minute, die während der Schichtwechselzeiten die Autobahn und die Landstraße zusätzlich belasten werden.

Verglichen mit aktuell ca. 50.000 Fahrbewegungen auf dem Autobahnring pro Tag und Richtung ist das sehr gering und wird zu keiner wahrnehmbaren Zunahme des Autoverkehrs führen. Eine Realitätsprüfung gab es schon beim Eröffnungsfest des Werkes, als durch die eingeladenen 9.000 Gäste, die in wenigen Stunden auf das Werkgelände strömten, ein Verkehrschaos prognostiziert wurde. Es blieb aus. Die Menschen kamen zum Großteil mit dem Zug/Shuttlebussen und viele mit dem Rad.

Eine Umgehungstraße würde nur mehr Verkehr anziehen

Fazit kann also sein, dass Politiker und Medien gut daran tun würden, weniger `Verkehrschaos` zu predigen. Umgehungsstraßen sind keine Lösung, denn sie zerschneiden die Landschaft, versiegeln und zersiedeln. Es würde nur noch mehr Verkehr angezogen.

Stattdessen sollten Kommunen, Kreis und Land zusammen mit Tesla sich weiterhin für die Stärkung des ÖPNV und den Ausbau des Radwegenetzes einsetzen. Außerdem brauchen wir innovative Lösungen wie Fahrgemeinschaften und Bedarfsbusse. Hysterie um ein drohendes Verkehrschaos und abgeleiteten Straßenbauplänen bringen uns dabei nicht weiter.

Ralf Schmilewski – B90/Grüne

Sprecher der AG Tesla und Stadtverordneter im Umweltausschuss Erkner

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